Storytelling - Was steckt dahinter?

04.04.2019

Weshalb und wie Geschichten funktionieren

Hänsel sitzt in seinem Käfig und zittert vor Angst. Drei Tage ist es her, seit seine Schwester und er dieses dämliche Lebkuchenhaus gefunden hatten. Hätten sie doch nur geahnt, dass sich dahinter eine Falle verbirgt - sie hätten sich Einiges ersparen können.

Aber jetzt gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Gretel und er haben einen Plan geschmiedet. Gleich kommt die Hexe für ihren allmorgendlichen Gewichts-Check vorbei und will, dass er ihr einen Finger durch die Gitterstäbe entgegenstreckt. Na, bereits gefangen in der Geschichte?

Märchen erzählen?

Storytelling heisst nicht, dass du bei Präsentationen die Gestalt eines Märchen-Onkels oder einer Märchen-Tante einnimmst. Und nein, du musst auch keine Hexe in deine Präsentation einbauen.

Der Effekt, den du dabei erzeugst, lässt sich aber durchaus mit den Märchen-Hörspielen vergleichen, die du aus deiner Kindheit (ziemlich sicher) noch in Erinnerung hast. Da ist diese elektrisierende Energie zwischen dir und deinem Publikum: Man hört dir völlig fokussiert zu und ist neugierig, was du wohl als Nächstes sagen wirst. Und auch noch Jahre danach können sich die Zuhörerinnen und Zuhörer an deine Präsentation erinnern - wegen der Geschichte.

Sind das nicht exakt jene Effekte, die du dir bei deiner Präsentation wünschst? Insbesondere wenn du in einem Sitzungszimmer präsentierst, gegenüber aufgeklappten Laptops und griffbereiten Handys. Aufmerksamkeit ist ein kostbares Gut und Stories sind ein eleganter Weg dazu, sie zu erhalten.

Darüber hinaus hilft dir Storytelling auch, Nervosität abzubauen und beim Präsentieren entspannt zu bleiben, weil du komplett in eine Geschichte eintauchen kannst.

Toycar - Credits to UnDraw.co

Das Dateiformat für eine Generationen-übergreifende Datensicherung

"Mündlich überliefert", heisst es, wenn eine Geschichte so alt ist, dass ihr Ursprung nicht auf ein Schriftdokument zurückzuführen ist. Stell dir vor, du lebst im Jahr 100 v.Chr. und hast etwas Wichtiges mitzuteilen. Du willst sicherstellen, dass deine Botschaft beim breiten Publikum ankommt und sich weiter verbreitet. Schriftstücke schreiben, drucken und verteilen ist keine Strategie - schliesslich kannst du selber knapp schreiben, den Buchdruck gibt es noch nicht und nur die wenigsten können überhaupt lesen.

Deshalb sind Geschichten seit jeher der einfachste und wirkungsvollste Weg, um Botschaften zu verbreiten. Wir haben uns angewöhnt, ihnen zuzuhören und geben sie weiter - manchmal sogar über Generationen hinweg. Warum wir bei Geschichten sogar instinktiv zuhören wollen, hat einen bestimmten Grund.

Treasure - Credits to UnDraw.co

Das Kopfkino erspart schmerzhafte Erfahrungen

Geschichten erzeugen ein Kopfkino in unserem Gehirn, das es uns erlaubt, aus den Fehlern von anderen zu lernen. Kürzlich haben Forscher herausgefunden, dass du beim Zuhören einer Geschichte dieselben Emotionen verspürst, wie wenn du die Dinge tatsächlich erleben würdest. Dein Gehirn macht also keinen Unterschied zwischen Fiktion und Realität (Adamczyk, 2015). Diesen Effekt kennst du, wenn du bei einem Horrorfilm zusammenzuckst oder beim Happy End eine Träne verdrückst. Du erlebst die Vorkommnisse im Film nicht tatsächlich - die Emotionen sind aber dieselben.

Dieser Effekt von Geschichten war überlebenswichtig in unserer Evolution. Stell dir vor, du bist ein 12-jähriger Höhlenmensch und gehst zum ersten Mal mit deiner Sippe auf die Mammut-Jagd. Damit du für alle möglichen Vorkommnisse gewappnet bist, erhältst du abends zuvor am Lagerfeuer ein ausführliches Briefing. Die älteren Sippenmitglieder erklären dir, worauf du achten musst und erzählen dir Geschichten von den schmerzhaften Erfahrungen, die sie und ihre Vorfahren machen mussten, weil sie einen Fehler begingen. Grossonkel Baba hielt sich für schlau und wollte alleine einem Mammut nachjagen... Bei den Schilderungen zuckst zu zusammen und schwörst dir, denselben Fehler garantiert nicht zu machen. 

Geschichten sind eine effiziente Form des Lernens. Sie ermöglichen es uns, etwas zu erleben, ohne uns selber einer Gefahr auszusetzen. Deshalb ist unser Gehirn darauf ausgerichtet, Geschichten zuzuhören. Wenn du deine Argumente mit Geschichten unterlegst oder deine gesamte Präsentation in die Form einer Geschichte bringst, können deine Zuhörerinnen und Zuhörer also gar nicht anders, als instinktiv zuzuhören.

Campfire - credits to UnDraw.co

Ein einfaches Grundmuster

Für diesen Effekt braucht es gar nicht mal so viel. Beachte einfach die folgenden Grundprinzipien des Storytelling (Hughes zit. in Duarte, 2012):

  1. Beginne mit einem konkreten Startpunkt (Wann, Wo, Wer)
  2. Bringe die Ereignisse in eine chronologische Reihenfolge

Diese beiden Grundprinzipien findest du im untenstehenden Storytelling Pattern, in grauer Farbe.

Presentation Storytelling Pattern von Fabio Sandmeier ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie unter www.momentumpresent.ch erhalten.
Literatur:
Hughes, G. Storytelling Template © HuesWorks.com
Duarte, N. (2012). Resonate Oder wie Sie mit packenden Storys und einer fesselnden Inszenierung Ihr Publikum verändern. Weinheim: Wiley-VCH.
Adamczyk, G. (2015). Storytelling Mit Geschichten überzeugen. Freiburg: Haufe.

So geht es weiter

Darüber hinaus gibt es ein Grundmuster des Storytelling, die sog. Heldenreise. Auf diesem Muster basieren praktisch alle Hollywood-Drehbücher seit den 60er-Jahren. Es ist das Rezept für Spannung - und nicht zuletzt für Überzeugung. Die Elemente dieser Heldenreise lassen sich nämlich prima im Verkaufsgespräch, einem Investor Pitch oder einer Change-Management-Situation einsetzen, um Einwänden zu entgegnen.

Alles dazu erfährst du in den kommenden Blogposts der Storytelling-Serie von Momentum Present.

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Fabio Sandmeier

Powerful Presentations for Your Business. Hierfür entwickle ich einfache Methoden und unterstütze damit Menschen und Firmen beim Erreichen ihrer Ziele. Dabei dient mir ein BWL-Studium, eine Radio-Ausbildung, einige Jahre Projektmanagement-Erfahrung - und stapelweise Fachlektüre zum Thema, die ich für dich durchwälzt habe.

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